Ohrdrufer würdigen Musikerfamilie Bach mit eigenem Programm
Porträt
Im Zeichen der Musikerfamilie Bach stehen die Ohrdrufer Bachtage. Kantor Marco Lemme freut, dass sich neben Kirchgemeinde auch Schulen und Stadt daran beteiligen. Foto: Fischer
Bachtage aus der Taufe heben, das bereitet schlaflose Nächte. Diese Erfahrung macht derzeit Marco Lemme. Der Kantor initiiert die ersten "Bachtage Ohrdruf".
Ohrdruf. Von Donnerstag, 10., bis Sonntag, 13. Juni, soll Ohrdruf dem Namen Bachstadt gerecht werden, so Lemmes Intention. Denn an der Ohra ging der spätere Thomaskantor Johann Sebastian Bach nicht nur zur Schule und sang in der Kurrende, 1696 bis 1700, sondern über Generationen hinweg haben Bachs dort das musikalische wie geistige Leben als Kantoren und Pastoren geprägt. Im Konzert der Bachstädte fristet Ohrdruf aber ein Randdasein. Zwar ist die Stadt in den Veranstaltungsreigen der Thüringer Bachwochen eingetaktet, aber die Resonanz beim heimischen Publikum hält sich in Grenzen. Kantor Lemme, seit gut zwei Jahren im Amt, will das ändern. Während der Bachtage 2009 entstand die Idee, eigene Ohrdrufer Bachtage zu gründen und zu organisieren. Sie sollen kein Gegenstück zu den Thüringer Bachwochen darstellen, vielmehr stärker in die Stadt hineinwirken und bei der Bevölkerung Anklang finden. "Dadurch, dass wir es selbst machen, erreichen wir hoffentlich mehr Leute", so Lemmes Überlegung. Die hohe Kunst bleibt dabei nicht ausgespart. Schließlich geht es um Bach. Der Name steht in Ohrdruf für eine ganze Reihe von Komponisten und Musikern. Angefangen beim älteren Bruder des Thomaskantors, Johann Christoph, der die Ohrdrufer Linie begründete. Beides will das Programm der Bachtage miteinander verbinden.
Über die Kreisgrenzen hinaus hat das bereits Aufmerksamkeit und Unterstützung erfahren. Mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und Kultusminister Christoph Matschie
(SPD) gibt es zwei Schirmherren. Einer der führenden Organisten Deutschlands, Ludger Lohmann, spielt das Eröffnungskonzert am Donnerstag, 10. Juni. Mit "cantus cölln" gastiert eines der renommiertesten deutschen Gesangsensembles am Sonnabend, 12. Juni, in der Trinitatiskirche. Dessen Konzertprogramm ist auf Ohrdruf zugeschnitten: Werke aus dem Altbachschen Archiv sollen erklingen. Auch jugendliches Publikum möchte Lemme ansprechen. So wird die Band "Herr Rynkowski" Bach-Stücke arrangieren auf Pop-Art und am Freitag, 11. Juni, im Michaelishof aufführen. "Bach in Bewegung" heißt ein Projekt mit Grundschulkindern. Regelschüler studieren ein Theaterstück ein. Gymnasiasten gestalten eine Bachausstellung. Die Kantorei Ohrdruf singt im Abschlussgottesdienst. Dabei werden nicht nur Werke von Bach, sondern auch von Georg Böhm (1661-1733) erklingen. Der wurde im Nachbarort Hohenkirchen geboren. Dessen 350. Geburtstag stünde nächstes Jahr an. Dieses Jubiläum steht für Lemme derzeit auf einem anderen Blatt. Nachdem Finanzierung und Programm der ersten Bachtage stehen, hofft er auf Zuspruch. Dann könnten die Ohrdrufer Bachtage im Zwei-Jahres-Rhythmus fortgesetzt und in die Thüringer Bachwochen eingetaktet werden.
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